Marion Bender am Hafen von Calpe · Foto: privat

Costa Blanca Nachrichten · 25.09.2026 · Beitrag von Marion Bender

In den Costa Blanca Nachrichten erzähle ich, warum Aufstehen für mich lange nichts mit Beinen zu tun hatte – und weshalb ein einziger Zentimeter manchmal ein riesiger Schritt sein kann.

Manchmal sitze ich am Meer in Calpe und höre den Wellen zu.

Vor mir diese Weite. Hinter mir ein Leben, das selten geradeaus gegangen ist. Und mittendrin ich – im Rollstuhl.

Vielleicht passt genau deshalb der Titel meines Buches so gut zu meinem Leben: „Aufstehen beginnt im Kopf.“

Denn Aufstehen sah bei mir oft ganz anders aus, als viele Menschen es sich vorstellen.

Als das alte Leben nicht zurückkam

Mit 21 Jahren veränderte ein Reitunfall mein Leben innerhalb weniger Sekunden. Plötzlich war ich vom Hals abwärts gelähmt. Es folgten Monate im Krankenhaus, die Abhängigkeit von anderen und Prognosen, die kaum Raum für Hoffnung ließen.

Ich rede diesen Unfall bis heute nicht schön.

Er war kein Geschenk. Ich hätte ihn mir gern erspart.

Aber irgendwann stand diese eine Frage im Raum:

Was für ein Leben ist noch möglich, wenn das alte nicht zurückkommt?

Eine schnelle Antwort hatte ich nicht.

Mein erster Rollstuhl

Als meine Ergotherapeutin Wiebcke nach Monaten im Bett zum ersten Mal einen Rollstuhl an mein Bett schob, wollte ich nicht hinein.

Auf keinen Fall.

Erst meine Schwester Gisela und ihr Pferd Ria brachten mich dazu, es überhaupt zu versuchen. Wenn ich mich in den Rollstuhl setzen würde, wollte sie mit mir zu Ria fahren.

Ausgerechnet ein Pferd brachte mich also dazu, mich in dieses Ding zu setzen, das ich so sehr abgelehnt hatte.

Das war kein großer Sieg. Kein strahlender Neuanfang.

Es war einfach ein erster Schritt.

Ein Zentimeter kann riesig sein

Fortschritt sah bei mir oft unspektakulär aus.

Einmal übte ich stundenlang, meine Hose selbst hochzuziehen. Am Ende hatte ich ungefähr einen Zentimeter geschafft.

Für andere klingt das vielleicht nach fast nichts.

Für mich bedeutete dieser Zentimeter: Da geht etwas.

Nicht schnell. Nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber es geht.

Genau daraus ist mit den Jahren meine Haltung entstanden:

„Ein erster Schritt muss nicht groß sein. Er muss nur in die richtige Richtung führen.“

Keine Heldengeschichte

Mein Buch ist keine Geschichte darüber, dass man nur positiv denken müsse und dann alles schaffen könne.

Manche Wunden bleiben. Manche Grenzen auch.

„Aufstehen beginnt im Kopf“ bedeutet für mich nicht: Reiß dich zusammen. Sei stark. Denk einfach positiv.

Es bedeutet:

Du darfst anerkennen, dass du gerade am Boden bist.

Du darfst müde sein.

Du darfst Hilfe brauchen.

Und vielleicht kannst du irgendwann den nächsten kleinen Gedanken wählen, der dich nicht noch tiefer hinunterzieht.

Der Beitrag in den Costa Blanca Nachrichten

Unter dem Titel „Aufstehen sieht nicht wie Stehen aus“ durfte ich meine Geschichte in den Costa Blanca Nachrichten erzählen.

Der Beitrag erschien am 25. September 2026 in der Ausgabe Nr. 2232 auf Seite 62.

Der vollständige Zeitungsartikel ist über das digitale Angebot der Costa Blanca Nachrichten ausschließlich für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Deshalb verlinken wir an dieser Stelle nicht auf den kostenpflichtigen Artikel.

Mein Dank gilt der Redaktion für die ausführliche Vorstellung meines Buches und den Raum für eine Botschaft, die mir sehr wichtig ist:

„Das Leben kann nach einem Bruch weitergehen. Anders als geplant. Langsamer vielleicht. Aber nicht weniger wahr.“

Aufstehen sieht nicht immer nach Stehen aus.

Manchmal beginnt es ganz leise.

Im Kopf.

Aufstehen beginnt im Kopf – Nichts hindert dich

Marion Bender

Hardcover, 274 Seiten
2. Auflage 2026
KopfHoch-Verlag
ISBN 978-3-9828503-0-6
Preis: 25,00 Euro

Aufstehen sieht nicht wie Stehen aus